Für viele Menschen ist die Suche nach Ihrem persönlichen Sinn in der Arbeit zu einem zentralen Thema geworden. Wir streben danach, in unserer beruflichen Tätigkeit einen Zweck zu sehen, der über das bloße Verdienen eines Gehalts hinausgeht. Ziel ist es, einen Beruf zu finden, der als gewinnbringend empfunden wird. In der Diskussion, um sinnhafte Arbeit wird häufig zwischen sogenannten „Bullshit“-Jobs und systemrelevanten Berufen unterschieden.
Ein "Bullshit-Job" ist ein Begriff, der vom Anthropologen David Graeber geprägt wurde. Er beschreibt damit eine Art von Beschäftigung, die zwar existiert und oft in modernen Organisationen anzutreffen ist, aber keinen direkten gesellschaftlichen Wert generiert.
Systemrelevante Berufe sind hingegen Berufe, die für das reibungslose Funktionieren der Gesellschaft und für das Wohlergehen ihrer BürgerInnen unverzichtbar sind. Diese Berufe sind insbesondere in Krisenzeiten entscheidend für das Aufrechterhalten einer gesellschaftlichen Ordnung, wie beispielsweise bei Naturkatastrophen, Pandemien oder anderen Notfällen.
Typischerweise umfassen systemrelevante Berufe Bereiche wie das Gesundheitswesen (z.B. Altenpflege, Krankenpflege), die öffentliche Sicherheit (z.B. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste), die Lebensmittelversorgung (Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion, Lebensmittelgeschäfte), den Transport und die Logistik (z.B. Güter- und Lastenverkehr, öffentlicher Nahverkehr), die Energieversorgung (Strom-, Gas- und Wasserwerke), sowie Telekommunikation und Informationstechnologien.
Häufig wird davon ausgegangen, dass Menschen, die in systemrelevanten und helfenden Berufen arbeiten, automatisch einen Sinn in Ihrer Tätigkeit sehen.
Diese allgemeingültige Aussage greift jedoch zu kurz. So kann insbesondere in helfenden und systemrelevanten Berufen ein starkes Gefühl von Sinnlosigkeit eintreten, wenn Hilfe aufgrund von Bürokratie oder mangelnden Ressourcen nicht in dem Maße geleistet werden kann, welches angemessen erscheint. Diese Diskrepanz ist im Alltag schwer auszuhalten. Zu sehen, was gebraucht wird und dies nicht leisten zu können, kann zu einer hohen psychischen Belastung führen. Zudem führen Personalmangel und schlechte Arbeitsbedingungen häufig zu einer Desillusionierung. Der grundsätzliche Sinn hinter der Arbeit wird in systemrelevanten Berufen selten in Frage gestellt. Jedoch kann es für die MitarbeiterInnen in systemrelevanten Berufen schwer sein, diesen Sinn auch in der tagtäglichen Ausführung ihrer Arbeit zu sehen.
Stellen Sie sich hingegen eine Person vor, die in der Wirtschaft arbeitet und keinen systemrelevanten Beruf hat. Die Person arbeitet beispielsweise im Vertrieb eines großen Unternehmens. Die Bezahlung ist gut, die eigenen Erfolge sind sichtbar und gut messbar. Erzielt die Person mehr Abschlüsse als geplant, bekommt sie zusätzliche Boni. Obwohl der Beruf keinen direkt messbaren Sinn für die Gesellschaft hat, kann eine Person diese Tätigkeit als durchaus sinnhaft erleben.
Ob eine Person ihre Arbeit als sinnhaft empfindet oder nicht, hängt damit nicht zwangsläufig mit der gesellschaftlichen Relevanz der Tätigkeit zusammen. Es geht vielmehr um individuelle Faktoren.
Sinn in der Arbeit kann viele Formen annehmen und ist stark von unseren persönlichen Werten, Überzeugungen und Lebenszielen geprägt. Für den einen mag es bedeuten, einen direkten Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, während es für den anderen bedeutsam ist, sich persönlich weiterzuentwickeln oder eine positive ArbeitgeberInnen-MitarbeiterInnen-Beziehung zu haben.
Es ist wichtig anzuerkennen, dass Sinn in der Arbeit nicht universell definiert werden kann. Was für eine Person bedeutungsvoll ist, kann für eine andere irrelevant sein.
Aufgrund der hohen Individualität ist das Sinnempfinden kein geeigneter Indikator, um den Zusammenhalt in einer Abteilung oder einem Team zu messen. Dies wird insbesondere von Unternehmen, die im sozialen Bereich tätig sind, häufig übersehen. Die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit wird als ausreichend erachtet und es werden wenig Ressourcen darauf verwendet den Zusammenhalt oder die Motivation der MitarbeiterInnen zu fördern. Doch wenn es nicht der Sinn hinter Arbeit ist, der verbindet, was ist es dann?
Die eigene Arbeit als sinnhaft zu empfinden, ist für jedes Individuum wichtig und die persönliche Sinnfindung daher ein Prozess, den alle MitarbeiterInnen durchlaufen. Hier können Führungskräfte unterstützen und insbesondere bei Sinnkrisen Perspektiven innerhalb des Unternehmens aufzeigen. Wie bereits erläutert ist dies aber nicht ausreichend, um den Zusammenhalt eines Unternehmens zu fördern. Hierfür sind vielmehr gemeinsame Ziele und Werte erforderlich, die von der gesamten Organisation geteilt werden.
Gemeinsame Ziele und Werte dienen als Grundlage für eine starke Unternehmenskultur und fördern ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Engagements. Sie bieten den Mitarbeitern einen Rahmen, innerhalb dessen sie ihre individuellen Fähigkeiten und Beiträge einbringen können, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Darüber hinaus schaffen sie eine klare Richtlinie für Entscheidungsfindung und Handlungsweise auf allen Ebenen des Unternehmens.
Damit diese Ziele und Werte für alle MitarbeiterInnen greifbar werden, reicht es hier jedoch nicht aus, ausschließlich unternehmensweite Ziele und Werte zu vereinbaren. Dies ist nur ein Teil des Prozesses. Es geht vielmehr darum, dass jede Führungskraft mit Ihrem Team gemeinsame Ziele vereinbart, mit denen alle Teammitglieder einverstanden sind. Dies macht Erfolge sichtbar und verstärkt das Gemeinschaftsgefühl. Wichtig ist hierbei, Ziele zu definieren, die machbar sind und die nur durch die Beteiligung aller erreicht werden können.
Ein wirklich gutes Arbeitsklima erfordert daher mehr als nur die Fokussierung auf den Sinn der Arbeit. Es erfordert gemeinsame Ziele und Werte, die von der gesamten Organisation geteilt und gelebt werden. Es erfordert eine Kultur der Zusammenarbeit, des Respekts und der Unterstützung, in der jeder Mitarbeiter/jede Mitarbeiterin sich gehört, geschätzt und inspiriert fühlt.
Indem Unternehmen die individuellen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter respektieren und gleichzeitig gemeinsame Ziele und Werte fördern, können sie ein Arbeitsumfeld schaffen, das nicht nur Sinn stiftet, sondern auch Erfolg, Zufriedenheit und langfristige Bindung fördert.
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